Cloud, Container und Continuity



Vergangene Woche ist in Barcelona die Europa-Version von VMwares Hausmesse VMworld über die Bühne gegangen. Rund einen Monat früher als in den vergangenen Jahren und damit zeitlich auch näher an der US-VMworld im August orientierten sich die Produktankündigungen daher diesmal auch vorrangig an den bereits in Las Vegas vorgestellten Neuerungen, sieht man mal von strategischen Verlautbarungen ab.

von Thomas Drilling, IT-Trainer VMware, Consultant und IT-Fachjournalist

Schon seit Jahren kann der selbst ernannte Virtualisierungserfinder kaum verbergen, dass der Virtualisierungsmarkt zunehmend gesättigt ist und ein großes Interesse daran hat, beim Aufteilen des Cloud-/Counter-Kuchen als Vorkämpfer wahrgenommen zu werden.
Daher konzentriert VMware seine Bemühungen immer stärker auf seine Produkte im SDN- (NSX) und SDS-Bereich (VSAN) sowie auf seine Cloud-Automatisierungs-Suite vRealize Suite, nachdem der Versuch, sich mit vCloudAir auch als Cloud-Infrastruktur-Anbieter zu positionieren, offenbar gescheitert ist. Dass Letzteres so nicht unmittelbar wahrgenommen wird liegt unter andere an zahlreichen strategisch klugen Entscheidungen, vor allem solche die durch Zukäufe motiviert waren, etwa bei CloudFoundry, Nicira oder DynamicOps.

VMware Cloud On AWS

So kündigte VMware beispielsweise auf der letztjährigen VMworld eine breit angelegte Kooperation mit Amazon Web Services an, die es AWS- (oder VMware-)Nutzern erstmals erlaubt, Cloud-Ressourcen auf Basis von ESXi-Infrastruktur zu betreiben. Jetzt, knapp ein Jahr nach der Ankündigung ist https://cloud.vmware.com/vmc-aws VMware Cloud On AWS seit wenigen Tagen offiziell verfügbar und stellt neben IBM Softlayer und Oracle/Revello-Cloud die dritte und umfassendste Möglichkeit dar, VMware vSphere in der AWS-Cloud zu betreiben.

Barcelona 2017

Nachdem VMware die VMworld Europe bisher häufig zur Präsentation herausragender neuer Produkte oder neuer Produktversionen nutzte, gab es diesmal in erster Linie einen Aufguss der Neuerungen von Las Vegas. So war auch in Barcelona nicht zu übersehen, dass VMware gemäß seinem aktuellen Slogan „Any Device – Any Application – Any Cloud” massiv danach strebt, das branchenübergreifend breiteste Ökosystem für virtuelle Workloads anbieten zu können, das neben Virtualisierung on premise inzwischen auch die erwähnten Partnerschafen im Public-Cloud-Bereich mit Amazon oder IBM einschließt.

vRealize-Suite 2017

Die neue https://www.vmware.com/de/products/vrealize-suite.html vRealize-Suite 2017 wurde schon in August präsentiert und adressiert wie gehabt hybriden Umgebungen mit Virtualisierung, Cloud-Applikationen und Containern. Schwerpunkt der Suite ist nicht das Bereitstellen von Infrastruktur, sondern Automatisierung, intelligentes Operations-Management und das Erschließen von Cloud-Ressourcen für Entwickler. Die Suite besteht im Wesentlichen aus vRealize Automation, vRealize Operations, vRealize Business und vRealize Orchestrator.
Dabei kümmert sich die neue Version 6.6 von vRealize Operations 6.6 nach wie vor um die vollautomatische Verteilung von Workloads, verfügt aber nun über nochmals verbesserte Algorithmen. Die neue Version verwendet dazu einen neuen „vorausschauenden Scheduler“ (predictive Distributed Resource Scheduler, pDRS) und bringt zudem native Management-Funktionen für VMware vSAN mit.

Kern der Suite ist aber nach wie vor vRealize Automation. Das Container-Management-Portal, welches seinerseits bei Bedarf hoch skaliert und unter anderem auf VMwares Lösung für virtuelle, logische Netzwerke NSX und dem vRealize Orchestrator basiert, liegt jetzt in Version 7.3 vor. Mit der lassen sich nicht nur virtuelle Workloads vom eigenen Rechenzentrum in die Cloud migrieren, sondern auch zwischen Clouds unterschiedlicher Hersteller, denn die vRealize-Suite unterstützt nicht nur den eigenen Hypervisor ESXi. Damit das nahtlos funktioniert haben sich auf Betreiben von VMware im Rahmen der VMware Cloud Provider Platform mehr als 4000 Partner in über 110 Ländern zusammengeschlossen.

 

VMware Integrated Open Stack 4.0

VMware kündigte in Barcelona außerdem https://www.vmware.com/products/openstack.html VMware Integrated Open Stack 4.0 und https://www.vmware.com/content/dam/digitalmarketing/vmware/en/pdf/products/vmware-vcloud-nfv-openstack-edition-datasheet.pdf VMware vCloud NFV-OpenStack Edition an. Beide Lösungen richten sich große Telekommunikationsunternehmen und bieten in Kombination die Möglichkeit, Network Function Virtualization (NFV) auf Basis von OpenStack einzusetzen. Derzeit unterstützt neben Dell auch Vodafone die neue Lösung, wieder ein Zeichen dafür, dass VMware vor den Einführung einer neuen Lösung in der Lage ist, durch geschickte Partnerschaften die richtigen Strippen zu ziehen.

Mobile Security Alliance (MSA)

Einen weiteren Schwerpunkt in VMwares Zukunftsstrategie ist das Thema Mobil- und App-Security in deren Schwerpunkt VMwares Enterprise-Mobil-Management-Suite https://www.vmware.com/de/products/workspace-one.html Workspace One steht. So konnte VMware offenbar zahlreiche neue Partner für seine Mobile Security Alliance (MSA) gewinnen, die damit auf 23 Unternehmen angewachsen ist, welche ihre Sicherheitslösungen inzwischen mit VMwares Workspace ONE integrieren.

Thomas Drilling

Thomas Drilling

Thomas Drilling arbeitet seit mehr als 18 Jahren selb­ständig als Redak­­teur und Autor für viele nam­hafte IT-Ma­ga­zine und Blogs, sowie als Buch-Autor, IT-Consultant und Trainer.

Seine Schwer­punkte liegen bei VMware, Virtu­ali­sierung all­gemein, Open Source (Red Hat) und Cloud-Computing. Thomas ist zerti­fi­zierter VMware Trainer sowie VCP, VCAP und wurde von VMware mit dem Blogger-Status vExpert für 2016 ausgezeichnet.
Thomas Drilling

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