Beim zweiten Anlauf hat es geklappt: Aaron Schneider, 27, studiert Technische Informatik im sechsten Semester an der TH Köln und wird aktuell von uns über das Deutschlandstipendium gefördert. Wir haben mit ihm über seinen Weg ins Studium, den Bewerbungsprozess und darüber gesprochen, was sich durch die Förderung konkret verändert hat.

Seit vielen Jahren unterstützt die GFU Cyrus AG das Deutschlandstipendium des Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt über die TH Köln mit einer monatlichen Förderspende.
Hallo Aaron, schön, dass Du da bist. Stell Dich doch bitte einmal kurz vor.
Ich bin der Aaron, komme aus Hennef, also gar nicht weit weg von Köln. Ich bin 27 Jahre alt und studiere im sechsten Semester Technische Informatik an der TH Köln. Meine Praxisphase habe ich gerade beendet, jetzt geht es ins Auslandssemester nach Valencia und danach schreibe ich meine Bachelorarbeit. Dann bin ich auch schon durch.
Und danach direkt den Master?
Da bin ich gerade am Überlegen. Ich denke darüber nach, den Master im Ausland zu machen. Die meisten Programme starten erst wieder zum Wintersemester, das heißt, ich hätte ungefähr fünf Monate dazwischen, in denen ich noch etwas Arbeitserfahrung sammeln könnte. Beim Land bin ich noch nicht festgelegt. Ich habe zum Beispiel einen Campus in den Niederlanden besucht und gesehen, wie anders das dort aufgezogen ist: fast eine kleine Campus-Stadt wie in Amerika, jedes Fakultätsgebäude mit eigenem Café und eigener Bibliothek, dazu ein riesiges Sportangebot. Man zahlt dort etwa 2.000 Euro im Jahr, bekommt dafür aber auch wirklich etwas. An der TH wird der Campus ja auch neu gebaut, das wird ein großes Ding, dauert aber noch. Und wenn es mir in Valencia gut gefällt, käme auch Spanien infrage. Die Universitat Politècnica de València hat sehr gute technische Masterangebote. Vielleicht spreche ich bis dahin ja fließend Spanisch.

Wie bist Du überhaupt zur Technischen Informatik gekommen?
Das war eigentlich ganz lustig. Ich habe damals als Trainer gearbeitet und hatte eine Zwischenmieterin in der Wohnung, die gerade 20 war und mit dem Studium anfangen wollte. Ich war schon 24 und das hat mich motiviert, mich auch mal umzuschauen. Also habe ich überlegt, was ich gut kann und was eher nicht. Ein Kunststudium wäre nichts für mich gewesen, logische Themen wie Mathe und Programmieren dagegen schon. Ausprobiert hatte ich das vorher nie richtig, interessiert hat es mich aber immer. Ich habe mich auf ein paar Sachen beworben und mich dann für Technische Informatik entschieden. Bereut habe ich das nicht.
Es gibt viele Fördermöglichkeiten. Wie bist Du ausgerechnet auf das Deutschlandstipendium gekommen?
Die TH hat eine Rundmail geschickt, dass die Bewerbungsphase bald startet. Da habe ich mir das Ganze zum ersten Mal genauer angesehen und auch geschaut, was es sonst noch gibt. Vorher hatte ich mich nie damit beschäftigt. Man denkt ja immer, sowas bekommt man sowieso nicht, es gibt bestimmt bessere Leute. Beim Deutschlandstipendium haben die Voraussetzungen dann aber gut zu mir gepasst. Es zählen zum Beispiel erschwerende Umstände, das kann ein Migrationshintergrund sein, bei mir war es der Status als Erstakademiker: Weder meine Eltern noch meine Großeltern haben studiert. Auch der Schnitt hat gepasst. Beim ersten Mal habe ich es leider nicht bekommen. Beim zweiten Mal wurde ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen und dann hat es geklappt.

Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?
Man bewirbt sich direkt über ein Online-Portal, das ist von Hochschule zu Hochschule etwas unterschiedlich, weil jede Hochschule die Stipendienplätze selbst vergibt. Man stellt alle Dokumente zusammen: Transcript of Records, Lebenslauf, Motivationsschreiben und eine Begründung, warum man die Förderung benötigt. In meinem Fall also die Erstakademiker-Situation, die man im Zweifel auch belegen können muss. Das schickt man als eine große PDF ab.
Dann heißt es warten. Bei mir hat es rund zwei Monate gedauert, bis eine Rückmeldung kam. Es sind ja Unmengen an Unterlagen, die gesichtet werden müssen. Danach wurde ich zum Gespräch an die TH in die Südstadt eingeladen. Da saßen drei Personen. Man erzählt etwas über sich und hält zusätzlich einen kurzen Vortrag von fünf bis acht Minuten zu einem Thema, das vorher zugeschickt wird, wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Bei mir ging es um KI in der aktuellen sozialen und politischen Lage: welche Chancen darin stecken, aber auch welche Risiken, Stichwort Falschinformationen.
Nach dem Gespräch ging es dann schnell. Das war am 11.11., das weiß ich noch genau. Ich war gerade mit Freunden unterwegs, als die E-Mail kam. Ich habe mich riesig gefreut und konnte direkt feiern.
Stand der Förderer da schon fest?
Ja, das bestimmt die Hochschule. Zwischen dem Gespräch und der endgültigen Zusage bekommen die Förderer, soweit ich weiß, eine Liste mit Studierenden, die sie fördern könnten, und suchen sich dann eine Person aus, oder mehrere, wenn sie mehrere fördern. Als die Mail kam, stand das also schon fest.

Was würdest Du jemandem raten, der gerade vor derselben Entscheidung steht?
Einfach machen. Viele denken, sie kommen ohnehin nicht infrage. Aber mehr als probieren kann man nicht, es schadet nicht und kostet nichts.
Bei meiner ersten Bewerbung waren die Unterlagen noch nicht so sauber, wie sie hätten sein können. Ich hatte zum Beispiel mein FSJ gar nicht erwähnt, dabei helfen genau solche freiwilligen Sachen enorm. Ich würde alles aufschreiben, was man je gemacht hat. Jedes bisschen zählt.
Und wenn man zum Gespräch eingeladen wird: gut vorbereiten, einen vernünftigen Vortrag bauen und dann locker bleiben. Da sitzen drei nette Menschen im Raum. Nervös ist man natürlich trotzdem, aber die Atmosphäre war völlig entspannt.
Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt?
Nicht aufgeben, man lernt aus jedem Versuch. Beim zweiten Mal waren meine Unterlagen deutlich besser. Als Bonus hatte ich inzwischen einen Job bei einem Professor an der TH und ihn um ein Empfehlungsschreiben gebeten. Das hat sicher geholfen, überhaupt eingeladen zu werden. Also: Wenn sich die Gelegenheit ergibt, bei einem Professor zu arbeiten, unbedingt nutzen.
Wäre Dein Studium ohne die Förderung anders verlaufen?
Auf jeden Fall. Ich musste dadurch nicht mehr drei oder vier Jobs jonglieren und konnte mich im letzten Wintersemester viel stärker aufs Studium konzentrieren. Ich habe sogar zwei Kurse mehr belegt, als vorgesehen waren. Dadurch konnte ich mich anschließend voll auf die Praxisphase fokussieren und habe jetzt die Möglichkeit, noch das Auslandssemester zu machen. Sonst wäre das stressig geworden, weil ich hier noch Kurse hätte nachholen müssen, die es in Valencia vielleicht gar nicht gibt. Die Förderung hat mich an genau der Stelle entlastet.
Vielen Dank, Aaron. Viel Erfolg in Valencia und bei der Masterwahl!

Hier gehts zum Erfahrungsbericht zum Deutschlandstipendium von Kevin (2021)
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